Geschichte

Im Jahre 1889 wurde an der Kreuzung der heutigen Allee Niepodległości und der Straße Obrońców Stalingradu ein multifunktionales Gebäude errichtet. Im Laufe der Zeit waren hier verschiedene Geschäfte, Cafés (Monopol, Klotzman, Bismarck), das Restaurant Zum Kronprinzen, Steuerkasse für Handwerker, aber auch Mietwohnungen untergebracht.

Die Eigentümer des Grundstücks in der Bismarckstraße 29 (bis 1895 Bismarckstraße 24) vor dem 2. Weltkrieg waren der Reihe nach:

  • Baumeister Carl Haase (1889 - August 1894),
  • Restaurateur Johann Klotzmann (bis Oktober 1894),
  • Rentier aus Berlin Albert Seibt (bis April 1896),
  • Kaufmann Emil Amberger (bis Dezember 1906),
  • Landschaftsmaler Adolf Dittmer (einer der Schöpfer der Wandmalerei in dem heutigen Gebäude des Woiwodschaftsamtes Westpommern) und Kaufmann Karl Dittmer (bis Januar 1918),
  • Kaufmann Ludwig Fink (bis Juni 1919),
  • Otto Ponath (bis 1933),
  • Heinrich Ponath.

Nach dem von April bis September 1929 dauernden Umbau hat sich die Funktion des Gebäudes geändert. Otto Ponath errichtete hier ein Erlebnis-Center Haus Ponath. Die regionale „Ostsee-Zeitung” vom 30. September 1929 schrieb: „…In den letzten Jahren konnten wir mehrmals beobachten, wie alte gastronomische Lokale bzw. Theaterräume modern umgebaut wurden. Und jedes Mal wunderte man sich, was man aus einem altmodischen Raum machen kann, wenn sich ein begabter Architekt an die Arbeit macht. Das ehemalige Lokal „Kaffee Bismarck” bekam neue Kleider. Mit der neuen Optik bekam es auch einen neuen Namen. Das nach dem Eigentümer benannte, vornehme Lokal ist allen, selbst anspruchsvollsten Gästen gerecht”. Der modernistische Stil des Gebäudes wurde durch Werbung in der damals weltweit modernsten (und teuersten) Neon-Technik (auch als „flüssige Flamme” bezeichnet) betont.

Im Haus Ponath wurden ein Café, ein Restaurant und der größte in Pommern Billardsaal untergebracht. Funktionelle Räumlichkeiten, breite Treppen, Gasheizung, Gasherde in der Küche und mechanische Lüftung sorgten für den Ruf eines der modernsten Gebäude in der Stadt.

Nach dem 2. Weltkrieg wollte das Objekt seinen Ruhm aus der Vorkriegszeit unter dem neuen Namen Balti Palace aufrechterhalten. Es dauerte jedoch knapp zwei Jahre (wahrscheinlich Ende Dezember 1945 bis Sommer 1947) bis zum Niedergang. Im folgenden Jahr wurde in dem Gebäude ein Warenhaus eröffnet (26.4.1948), im zweiten Obergeschoss das Café Centralna, und ein Stockwerk höher das Restaurant Centralna. Der letzte Sylvesterball fand hier 1956 statt. Trotz enorm großer Frequentierung wurde das Gebäude 1957 geschlossen. Die Sanierung fing an.

Diese Sanierung war auch notwendig - nach der letzten Erneuerung noch in den 40 er Jahren zerfall das Gebäude wortwörtlich im Stehen. Die abgehängten Decken fielen zu Boden. Die Decken waren auch nicht mehr standsicher. Nach knapp drei Jahren Sanierung schrieb die Zeitung Kurier Szczeciński vom 12-14.11.1959: „Der größte Skandal in Stettin”. Alles in allem dauerte diese skandalös lange Sanierung fünf Jahre (!) - bis April 1962.

Es entstand das „größte und modernste” Unterhaltungslokal in Polen – Stettiner Zentrum des Nachtlebens – Kaskada! Hier traten u.a. auf.: Czesław Niemen, Ryszard Karczykowski, Helena Vondrackova, Anna Jantar, Farida, Irena Jarocka, Anna German, Ada Rusowicz, Halina Frąckowiak, Stenia Kozłowska, Alla Pugatschowa, Wojciech Młynarski, Jerzy Połomski. Andrzej i Eliza, Skaldowie, Filipinki, aber auch Künstler der Stettiner Operette, und viele, viele andere. Nur eine bekannte polnische Sängerin, und zwar Violetta Villas, hat hier trotz Bemühungen keinen einzigen Auftritt gehabt. Sie hat Bedingungen (es ging dabei nicht ums Geld!) gestellt, die nicht zu erfüllen waren. In der KG Kaskada traten Künstler aus Deutschland, Tschechien, Dänemark, Bulgarien, Ungarn, Spanien, und sogar aus den USA auf.

Das Gastronomische Kombinat Kaskada umfasste vier Stockwerke Unterhaltung!

  • Im Erdgeschoss
  • Im ersten Obergeschoss
  • Im zweiten
  • Im dritten
  • das Restaurant Kapitańska
  • das Restaurant Rondo
  • Słowiańska
  • Pokusa
Die Namen stammen aus dem Jahr 1970.

In der Kaskada konnte man zu Mittag essen, darunter auch im Rahmen eines Abonnements; es gab darüber hinaus Imbiss zum Mitnehmen. Die Kaskada bot künstlerische Auftritte, Orchesterwettbewerbe, Kabaretts, vor allen Dingen aber das Nachtleben in jedem Ausmaß, auch diesem formell nicht existierenden bzw. verbotenen. Die dunklere Seite der Geschichte dieses Lokals waren Nuten, die manchmal mit den weiblichen Gästen aneinandergerieten, wenn sie vermutliche Konkurrenz witterten. Oder das diskrete Geflüster von Valutaschiebern: „Kaufe, verkaufe - Dollar, D Mark, Kronen - kaufe, verkaufe”.

Am Montag, dem 27. April 1981 wurde die Existenz des Lokals und des gesamten Gebäudes dramatisch unterbrochen. Infolge eines riesigen Brandes kamen 14 Personen ums Leben, darunter sechs Lehrlinge einer gastronomischen Schule aus Stettin. Tragisch verstorbene Mitarbeiter: Aniela Dubicka, Teresa Kipiel, Marianna Kowalczuk, Danuta Lewandowska, Teresa Nowak, Aniela Pyza, Janina Stępień, Elżbieta Wiktorko. Tragisch verstorbene Lehrlinge: Tomasz Berger, Waldemar Cyż, Danuta Domagalska, Elżbieta Gryszkiewicz, Małgorzata Kondracka, Beata Tokarska.

Die Wunde musste heilen. Die Erinnerung blieb. Nach dreißig Jahren am 28. September 2011 kam das Leben wieder.

Während der Erdarbeiten beim Bau der Galeria Kaskada wurden die Reste der Stützmauer der Stettiner Stadtwälle aus dem 18. Jahrhundert entdeckt. Aufgrund der Vereinbarung zwischen der ECE und dem Städtischen Denkmalpfleger wurde ein gut erhaltenes Fragment dieser Mauer restauriert und in die Mall integriert.

(Bearbeitet durch Aleksy Pawlak. Mehr zur Geschichte dieses Ortes ist in dem Buch unter dem Titel „Kaskada” von Krystyna Pohl und Sebastian Biela zu finden.)

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